AUGE/UG: „Die Arbeitszeitflexibilisierung ist da – und wo bleibt die Arbeitszeitverkürzung?“


Auf besondere Kritik stößt die Möglichkeit, die wöchentlichen Höchstarbeitszeiten (12/60) in Betrieben ohne Betriebsrat auch in schriftlichen Einzelvereinbarungen zu verankern: „Damit wird der Druck auf einzelne ArbeitnehmerInnen, noch mehr Überstundenarbeit abzuleisten, erhöht. Aufgrund der kleinunternehmerischen Wirtschaftsstruktur hat die Mehrzahl der Betriebe keine BetriebsrätInnen. Damit nimmt die von den Gewerkschaften stets kritisch beurteilte Verbetrieblichung der Arbeitszeitpolitik immer konkretere Formen an. Dabei sind die österreichischen ArbeitnehmerInnen schon EU-Überstundenmeister, arbeiten Vollzeitbeschäftigte bereits heute durchschnittlich 44,1 Stunden wöchentlich. 'Arbeitsmedizinische Unbedenklichkeit' als Voraussetzung ist dabei ein durchaus schwammiger Begriff, angesichts der arbeitsmarktpolitischen Realitäten, wo die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes bei vielen Beschäftigten dominiert wird dieser wohl sehr weit ausgelegt werden,“ so Koza weiter.

Mehrstundenzuschläge bei Teilzeitarbeit – richtiger Schritt aber zu wenig

Prinzipiell begrüßt wird die Mehrstundenzuschlagsregelung für Teilzeitbeschäftigte. „Der Zuschlag von 25 % kann allerdings nur ein erster Schritt sein. Mittelfristig müssen Mehrstunden bei Teilzeitbeschäftigten wie Überstunden behandelt werden, um die flexibel eingesetzte Teilzeitarbeit tatsächlich einzuschränken und zu verteuern und damit die Zerlegung von Vollzeitarbeitsplätzen im billigere Teilzeitjobs einzudämmen,“ fordern die Alternativen und Grünen GewerkschafterInnen.

„Vom Ziel einer gerechteren Verteilung von Arbeit über eine umfassende Arbeitszeitverkürzung, über den Abbau von Überstundenarbeit sind wir jedenfalls wieder einmal mehr entfernt. Die Stärkung der betrieblichen Ebene für Arbeitszeitregelungen wird dagegen den Druck auf die Belegschaften noch einmal erhöhen, insbesondere, wenn es keine starken BetriebsrätInnen gibt. Weiteren Flexibilisierungsmaßnahmen sind damit Tür und Tor geöffnet. Dass die Arbeitgeberseite sich begeistert zeigt, ist kein Wunder. Von einer win-win Situation für beide Seiten zu sprechen erscheint uns in diesem Zusammenhang geradezu grotesk,“ schließt Koza.