Unabhängige GewerkschafterInnen: "MitarbeiterInnenbeteiligung nur wenig geeignetes Mittel zu gerechterer Einkommensverteilung!"

, markus_koza(sw)100Breite ArbeitnehmerInnengruppen drohen aus MitarbeiterInnenbeteiligungsmodellen ausgeschlossen zu bleiben. Kein Ersatz für offensive und solidarische Lohnpolitik.

 

Wien (OTS) - "Die derzeit geführte Diskussion um einen Ausbau der
Mitarbeiterbeteiligung - in Form steuerlich begünstigter Gewinn- oder
Kapitalbeteiligung - um eine gerechteren Einkommensverteilung
zwischen Arbeit und Kapital herzustellen kann nur als
verteilungspolitische Farce bezeichnet werden," kritisiert Markus
Koza, Vertreter der Unabhängigen GewerkschafterInnen (UG) im
ÖGB-Bundesvorstand die laufende Debatte. "Die Masse der unselbständig
Beschäftigten in Österreich würde von derartigen Modellen nicht
profitieren. Da wird bewusst - gerade auch von Wirtschaftsseite -
Sand in die Augen der ArbeitnehmerInnen gestreut."

Gerade einmal 160.000 Beschäftigte in Österreich (das sind 5 %)
verfügen derzeit über eine Form der Beteiligung, davon 100.000
Beschäftigte in meist börsenotierten Großunternehmen.
"Beteiligungsmodelle bleiben also überwiegend auf die kleine Gruppe
gut qualifizierter, meist männlicher Kernbelegschaften in größeren
Leitbetrieben des Industrie- und unternehmensnahen Dienstleistungs-
bzw. Finanzdienstleistungsbereichs mit einer starken
Belegschaftsvertretung. Niedrigqualifizierte, ArbeitnehmerInnen in
Klein- und Mittelbetrieben, sowie Angestellte im Handel oder in
sozialen und öffentlichen Dienstleistungsbetrieben - unter ihnen
viele Frauen, haben dagegen wenig bis gar nichts davon. Die hätten
auch von einem Ausbau der MitarbeiterInnenbeteiligung nichts," so
Koza weiter. "Gerade im Niedriglohnbereich sind dabei die Reallöhne
in den letzten Jahren besonders stark gesunken, bei den
einkommensschwächsten 20 % der Arbeiterinnen von 1995 bis 2000
alleine um 5,1 %, von 2000 bis 2005 noch einmal um 1,8 %. Hier
besteht tatsächlich dringender Handlungsbedarf, allerdings nicht in
Form einer MitarbeiterInnenbeteiligung sondern in Form einer
wirkungsvollen Mindestlohnpolitik und umfassender Maßnahmen zu einer
Höherqualifizierung schlecht ausgebildeter ArbeitnehmerInnen." Ebenso
die wachsende Zahl an atypisch Beschäftigten - wie freien
DienstnehmerInnen, LeiharbeiterInnen oder WerkvertragnehmerInnen -
würden von einer MitarbeiterInnenbeteiligung nicht profitieren
kritisiert Koza.

Eine klare Absage erteilen die Unabhängigen GewerkschafterInnen
vor allem auch Bestrebungen verstärkt gewinnabhängige Lohnelemente in
Kollektivvertragsvereinbarungen zu verankern, wie immer wieder von
Seiten der Industrie gefordert. "Das würde nur eine Entkoppelung der
kollektiven Lohnentwicklung vom gesamtwirtschaftlichen Wachstum mit
sich bringen und die Einkommensschere unter den ArbeitnehmerInnen
noch vergrößern. Da würden Beschäftigte in Klein- und Mittelbetrieben
bzw. ohne starke Belegschaftsvertretungen schlichtweg abgehängt,"
lehnt Koza derartige Überlegungen ab. "Wäre es jenen, die die
Verteilungsfrage plötzlich 'neu' entdeckt zu haben scheinen, mit
einer gerechteren Einkommensverteilung tatsächlich ernst, ließe sich
diese leichter über andere Maßnahmen erreichen - wie eine stärkere
Besteuerung von Vermögen und Gewinnen, einer offensiven Lohnpolitik,
die den verteilungsneutralen Spielraum tatsächlich ausreizt, über
wirkungsvolle Mindestlöhne, sowie den Ausbau sozialer und
öffentlicher Leistungen. Von derartigen Maßnahmen hätten vor allem
alle ArbeitnehmerInnen etwas," schließt Koza.