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KIV/UG: Das beste Gesundheitssystem Europas auf dem Rücken der Beschäftigten?

Weil Arbeits- und Einkommenssituation im Gesundheitsbereich Grenze der Belastbarkeit erreicht hat - KIV/UG fordert 30 % mehr Einkommen und 30 % mehr Personal im Gesundheitsbereich.

Eine umfassende Darstellung der Arbeits- und Einkommenssituation der Wiener Gesundheitsberufe fand am Donnerstag, 10. September im Rahmen einer Podiumsdiskussion der KIV/UG (Konsequente Interessensvertretung) in der Arbeiterkammer Wien statt. Am Podium waren Biju Onatt (DGKP), Mag. Markus Koza (UG-Vorsitzender), Silvia Tauchner (DKKS), Margot Ham-Rubisch (Wr. Pflege- und PatientInnenanwaltschaft, Dr.in Schirin-Martina Missaghi (Anästhesistin) und Mag.a Sonja Müllner (DGKS – FSW) vertreten. Personalvertreter_innen, Betriebsrät_innen und Beschäftigte aus unterschiedlichen Bereichen ermöglichten eine aktive und vor allem unabhängige Bewertung der aktuellen Situation im Wiener Gesundheitswesen.

 

Mangelnde Wertschätzung der Gesundheitsberufe

Kritikpunkte waren vor allem die unzureichende Wertschätzung des Personals durch die Dienstgeberin – auch in monetärer Hinsicht. „In öffentlichen Diskursen wird höhere Entlohnung – etwa im männlich dominierten Managementbereich -  immer wieder mit hoher Verantwortung gerechtfertigt. Interessanterweise gilt diese Logik allerdings ausgerechnet im frauendominierten Gesundheitsbereich, wo die Beschäftigten besonders hohe Verantwortung für ihre Klientel tragen, plötzlich nicht mehr. Die Pflege bekommt nun zwar zusätzliche Aufgaben, eine höhere Entlohnung gibt es dafür allerdings nicht“, führte etwa Sonja Müllner, Zentralbetriebsrätin im FSW aus.

Zusätzlich  sei der Arbeitsalltag im Gesundheitsbereich von qualitativen Verschlechterungen in den Ausbildungsmodellen, vom immer höheren Anforderungen bei gleichbleibendem Personalstand und gleichzeitig steigender PatientInnenanzahl, nicht nachvollziehbaren Zusammenlegungen/Umstrukturierungen einzelner Bereiche/Abteilungen u.v.m. geprägt, was vielfach Demotivierend wirke, ergänzte Silvia Tauchner, Personalvertreterin der KIV/UG im Bereich des KAV.

Besorgniserregend sowohl für Personal als auch PatientInnen ist die Tatsache, dass der Mangel an ausreichendem Personal einerseits zu massiven Qualitätseinbußen in der Pflege, bei Therapien und Akutbehandlungen führt und andererseits die Bediensteten vermehrt in Krankenstände wie Burn-out oder Dienstgeberwechsel bzw. zur Aufgabe des Berufes treibt. In einzelnen Fachgebieten herrsche für PatientInnen untragbare Wartezeiten, z.B. auch in der Kinderheilkunde, hier besonders in der Kinderpsychiatrie, wurde seitens der Podiumsdiskutant_innen kritisiert.

KIV/UG fordert deutlich Verbesserung der Arbeits-, Ausbildungs- und Einkommensbedingungen

Die Forderungen der KIV/UG um die Situation der Beschäftigten im Gesundheitsbereich zu verbessern und Gesundheits- und Pflegeberufe wieder zu attraktivieren:

- eine Aufstockung des gesamten Personalstands um 30%,

- Anhebung des Gehalts um 30%,

- eine zusätzliche Urlaubswoche für die Bediensteten im KAV,

- eine Maximalarbeitszeit von 38 Stunden/Woche und fundierte und praxisnahe Ausbildungsmodelle.

Biju Onatt, DGKP und Personalvertreter der KIV/UG im KAV: "Wir rufen deshalb am  Donnerstag, 17. September ab 16.30 Uhr zu einer Kundgebung unter dem Motto 'Mit Herz und Verstand: Unser Gesundheitssystem braucht mehr' am Josef-Meinrad-Platz, gleich neben dem Burgtheater um 16:30 auf, um unseren berechtigten Forderungen Nachdruck zu verleihen." U.a. ist eine Forderungs-Sprühaktion geplant, die durch Gesundheitseinrichtungen in ganz Wien touren soll. Der KIV/UG Personalvertreter abschließend: "Gesundheit muss dem Staat etwas wert sein! Und wir lassen nicht locker!"