Die Verantwortung der Universitäten

Warum Transparenz, Fairness und Demokratie mehr sind als interne Spielregeln

Die Novellierung des Universitätsgesetzes mit Anzeichen einer weiteren Aushöhlung demokratischer Rechte ist noch nicht lange her und erst kürzlich hat das Verfahren zur Rektorswahl (ungegendert) an der größten Universität des deutschsprachigen Raumes, der Universität Wien, die Frage aufgeworfen, wie treffsicher die gesetzlichen Spielregeln für einen diskriminierungsfreien Universitätsbetrieb in Österreich sind. Und schon zeigen sich mit den Plänen zur neuen Technischen Universität (TU) für Digitalisierung und digitale Transformation in Linz aka ‚Institute of Digital Sciences Austria‘ neue und altbekannte Problemlagen.



"Die Regierungsverantwortlichen haben wohl noch immer keine ernsthaften Pläne zur positiven Veränderung des tertiären Bildungssektors", sagt Marion Polaschek, Vorsitzende der Unabhängigen GewerkschafterInnen im ÖGB, und ergänzt: "Arbeitnehmer:innen- und Studierendenrechte im Forschungsumfeld aber auch die Gleichbehandlung stehen aktuell mehr denn je in Frage und werden nur auf Druck von außen diskutiert."

Wir leisten uns als Gesellschaft Universitäten, die laut Gesetz zur „Lösung der Probleme des Menschen sowie zur gedeihlichen Entwicklung der Gesellschaft und der natürlichen Umwelt“ beitragen und die „Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen in einer sich wandelnden humanen und geschlechtergerechten Gesellschaft" zum Ziel haben. Die Aufgabe wäre deshalb Rahmenbedingungen und Ressourcen zur optimalen Erfüllung dieser Anforderungen bereit zu stellen.

"Universitäten haben auch die Rolle ihr eigener Musterbetrieb mit großem Einfluss und Verantwortung für unser aller Zukunft zu sein", meint Marion Polaschek und fragt: "Von welcher Zukunft sprechen wir aber, wenn neben guten Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und Gleichbehandlung jetzt auch kollektive Rechte gerade im universitären Bereich in Frage stehen?", und fügt hinzu: "Welche Kultur und Werte nehmen Universitätsabsolvent:innen als künftige Entscheidungsträger:innen aus diesem Umfeld mit?"

Denn Absolvent:innen arbeiten eben nicht nur forschend, lehrend oder beratend. Sie werden zum Großteil auch Führungskräfte mit Einfluss in allen Branchen. Aus vielen werden ebenfalls politisch Verantwortliche, die Programme und Gesetze mitgestalten und damit unsere Gesellschaft prägen.

"Der Verdacht liegt nahe, dass dieser gesellschaftliche Auftrag nicht ernstgenommen und sogar an Umgehungen gebastelt wird", sagt Marion Polaschek und ergänzt: "Universitäten dürfen nicht als öffentlich finanzierter Spielball für bestimmte Interessensgruppen fungieren, fern der Sozialpartnerschaft." Sie appelliert abschließend: "Daher ist erhöhte Aufmerksamkeit und Kritik gegenüber den Plänen für die tertiäre Bildung jetzt besonders angebracht, gerade aus gewerkschaftlicher Sicht."